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WIE DIE HAUT FUNKTIONIERT UND WIE AKNE ENTSTEHT

Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Haut und Akne – nicht aus fachlichem Interesse, sondern aus eigener Erfahrung. Ich weiß, wie frustrierend es ist, wenn man alles ausprobiert, sich Mühe gibt, Produkte wechselt, Regeln befolgt – und trotzdem nichts wirklich funktioniert. Wie unangenehm es ist, sich in der eigenen Haut nicht wohlzufühlen. Und wie hilflos man sich fühlt, wenn man nicht versteht, was der eigene Körper eigentlich macht und warum etwas scheinbar grundlos aus dem Gleichgewicht gerät.

Genau dieses Gefühl, gegen etwas zu kämpfen, das man nicht versteht, ist oft das Schwierigste an Akne. Man sieht nur das Ergebnis im Spiegel – aber nicht die Prozesse, die tief in der Haut ablaufen. Und ohne dieses Verständnis bleibt jede Behandlung ein Rätsel.

In diesem Artikel habe ich alles zusammengetragen, was ich über die Funktionsweise der Haut, die Entstehung von Akne und die wirksamen Behandlungsansätze gelernt habe. Schritt für Schritt, verständlich und ohne Mythen. Mein Ziel ist es, dir Klarheit zu geben: darüber, wie deine Haut wirklich funktioniert, warum Akne entsteht und was du konkret dagegen tun kannst. Ergänzend findest du auch einen passenden Wortschatz, damit du die Prozesse nicht nur verstehst, sondern auch benennen kannst.

Ich hoffe sehr, dass dir dieser Artikel hilft, deine Haut besser zu verstehen – und dich ein Stück sicherer und weniger allein auf diesem Weg fühlen lässt.


Akne wirkt oft wie ein oberflächliches Problem: ein Pickel, eine kleine Entzündung, ein störender roter Punkt. Aber Akne beginnt niemals an der Oberfläche. Sie entsteht tief in der Haut, im Haarfollikel – dort, wo Zellen wachsen, Talg produziert wird, Mikroorganismen leben und das Immunsystem ununterbrochen Entscheidungen trifft. Um zu verstehen, wie Akne behandelt wird und warum bestimmte Wirkstoffe so effektiv sind, muss man zunächst begreifen, wie diese winzige Welt in der Tiefe funktioniert.

Wie der Haarfollikel funktioniert – das verborgene Zentrum des Geschehens

Ein Haarfollikel ist ein kleines biologisches System. In ihm befindet sich ein feines Haar, das man oft gar nicht sieht, eine Talgdrüse, die Sebum produziert, ein Kanal, durch den dieses Sebum nach oben transportiert wird, und eine innere Wand, die vollständig von Keratinozyten ausgekleidet ist. Auch ein kleines eigenes Mikrobiom wohnt hier – etwa Cutibacterium acnes, das in einer gesunden Haut vollkommen harmlose Aufgaben erfüllt.

Solange dieser Follikel frei durchatmet und Talg problemlos an die Oberfläche gelangt, bleibt die Haut ruhig. Doch sobald in diesem System ein Stau entsteht, beginnen die Probleme. Akne ist deshalb keine Frage von „schmutziger Haut“, sondern ein Ablauf, der durch eine Kombination aus Zellverhalten, Talgzusammensetzung, Sauerstoffverhältnissen, pH-Wert und Immunreaktionen entsteht.

Warum Sebum wichtig ist und keine Feindrolle spielt

Sebum wird oft als etwas Negatives wahrgenommen, dabei erfüllt es lebenswichtige Aufgaben. Es schützt die Haut vor Austrocknung, stabilisiert die Säureschutzschicht und verhindert, dass schädliche Mikroorganismen sich unkontrolliert vermehren. Es transportiert Vitamin E zur Hautoberfläche – einen der wichtigsten antioxidativen Schutzmechanismen gegen freie Radikale. Und es hält die Wände der Poren geschmeidig, sodass Keratinozyten sich normal ablösen können. Sebum ist also kein Problem – erst wenn es nicht mehr richtig abfließen kann, beginnt die Störung.

Die Keratinozyten und das Geheimnis der Keratinisierung

Die Keratinozyten, die die Innenwand der Pore auskleiden, folgen einem klaren biologischen Programm: Sie entstehen in der Tiefe der Haut, wandern nach oben, verlieren ihren Zellkern, füllen sich mit Keratin, werden zu stabilen Hornzellen und lösen sich schließlich von der Oberfläche ab. Dieser Prozess heißt Keratinisierung und läuft bei gesunder Haut gleichmäßig und kontrolliert ab.

Bei Akne aber passiert genau hier der entscheidende Fehler: Die Keratinozyten haften stärker aneinander, lösen sich ungleichmäßig ab und bilden einen winzigen Pfropf genau dort, wo der Talg eigentlich abfließen müsste. Dieser Pfropf nennt sich Mikrokome­don. Er ist winzig, unsichtbar und entsteht Wochen bevor ein Pickel zu sehen ist. Aber er ist der Ursprung jeder späteren Entzündung.

Wie Bakterien zum Problem werden

Cutibacterium acnes, häufig zu Unrecht als „Aknebakterie“ bezeichnet, ist eigentlich ein normaler Bewohner der Haut. Erst wenn die Pore durch Keratinreste und Talg verstopft, sinkt der Sauerstoffgehalt im Inneren. Genau diese sauerstoffarme, talgreiche Umgebung ist ideal für die Bakterie. Sie vermehrt sich schneller, produziert entzündungsfördernde Stoffe und löst eine Immunreaktion aus. So entsteht aus einem Mikrokome­don ein sichtbarer entzündlicher Pickel.

Oxidativer Stress – der unsichtbare Verstärker von Akne

Freie Radikale sind Moleküle, denen ein Elektron fehlt und die deshalb andere Moleküle angreifen – Zellmembranen, Proteine, DNA, Lipide. Viele Faktoren erhöhen diese freien Radikale: Stress, Schlafmangel, UV-Strahlung, Umweltgifte und chronische Entzündungen. Besonders problematisch ist, dass sie den Talg oxidieren – vor allem Squalen, einen der wichtigsten Bestandteile des Sebums. Oxidiertes Squalen ist stark komedogen und entzündungsfördernd. Es macht Poreninstabil, reizt die Innenwand des Follikels und verschlimmert jede Form von Akne.

Antioxidantien wie Vitamin E, Niacinamid oder Vitamin C wirken wie Schutzschilde: Sie neutralisieren freie Radikale, stabilisieren Sebum und lindern Entzündungen. Ohne ausreichenden antioxidativen Schutz ist die Haut wesentlich anfälliger für Akne.

Warum Schlaf so viel Einfluss auf die Haut hat

Während des Schlafs repariert der Körper Schäden, senkt den Cortisolspiegel, baut entzündliche Stoffe ab und erneuert die antioxidative Kapazität. Gleichzeitig regenerieren sich die Mitochondrien – die „Kraftwerke“ jeder Zelle – und sorgen besonders nachts dafür, dass weniger schädliche Nebenprodukte wie freie Radikale entstehen.

Schlechter oder zu kurzer Schlaf bedeutet daher mehr oxidativen Stress, mehr Entzündung, instabileres Sebum und einen schlechter funktionierenden Hautbarriere. Das führt fast immer zu mehr Akne.

Wie Akne wirklich behandelt wird – die Mechanismen hinter den Wirkstoffen

Damit Akne nachhaltig verschwindet, reicht es nicht, die Haut zu waschen oder oberflächlich zu beruhigen. Man muss dort eingreifen, wo die Ursache liegt: im Prozess der Keratinisierung, in der Entzündung, im Talg, im Bakterienmilieu und im oxidativen Stress.

Adapalen – der zentrale Wirkstoff gegen Komedonen

Adapalen ist ein Retinoid, eine Substanz, die mit bestimmten Rezeptoren im Zellkern der Keratinozyten interagiert. Sobald Adapalen diese Rezeptoren aktiviert, verändert sich die Genexpression der Hautzellen: Gene für eine gleichmäßige Keratinisierung werden aktiviert, Gene für eine übermäßige Verhornung werden gedrosselt. Die Zellen kleben weniger, die Poren öffnen sich, Mikrokome­dons lösen sich auf und neue entstehen nicht mehr so schnell. Adapalen wirkt tief, präzise und langfristig – kein anderer äußerlicher Wirkstoff reguliert die Keratinisierung so effektiv.

Benzoylperoxid – der Wirkstoff gegen entzündliche Akne

Benzoylperoxid wirkt direkt gegen Cutibacterium acnes, und zwar unabhängig von Resistenzmechanismen. Es durchdringt die Pore, bringt Sauerstoff hinein, zerstört die Bakterien und lindert die entzündliche Reaktion. Gleichzeitig wirkt es leicht keratolytisch und unterstützt die Öffnung der Poren. Besonders bei roten, schmerzhaften Pickeln ist es unverzichtbar.

Die Kombination aus Adapalen und BPO

Produk­te wie Effezel verbinden beide Mechanismen:
Adapalen reguliert die Keratinisierung, BPO reduziert Bakterien und Entzündung. Zusammen sind sie die weltweit effektivste Therapie gegen gemischte Akneformen.

Effaclar Duo (+M) – Unterstützung, aber keine Therapie

Effaclar Duo ist ein hervorragender Begleiter, aber kein keratinisierungsregulierender Wirkstoff. Er kann Rötungen reduzieren, die Barriere stärken, leichte Verhornungen lösen und Pigmentflecken mildern. Aber er löst keine Mikrokome­dons auf und kann Akne allein nicht heilen.

Niacinamid – der Multitalent-Vitamin-B3-Wirkstoff

Niacinamid wirkt entzündungshemmend, antioxidativ, stärkt die Hautbarriere und reduziert die Oxidation des Talgs. Dadurch wird die Haut stabiler, ruhiger und widerstandsfähiger. Aber Niacinamid verändert nicht die Keratinisierung – deshalb wirkt es unterstützend, aber nie als Haupttherapie.

Systemische Retinoide – die stärkste Therapie bei schwerer Akne

Retinoide zum Einnehmen (Isotretinoin) greifen viel tiefer ein: Sie verkleinern die Talgdrüsen dauerhaft, senken die Talgproduktion massiv, normalisieren die Keratinisierung im gesamten Körper und stoppen die Bakterienvermehrung. Das ist die Therapie, die schwere oder therapieresistente Akne nahezu immer langfristig beseitigt.

Kann man Akne mit einem einzigen Präparat heilen?

Manchmal ja, aber nicht immer.
Adapalen allein kann leichte oder komedonale Akne heilen.
BPO allein kann entzündliche Akne deutlich reduzieren.
Effaclar Duo kann verbessern, aber nicht heilen.
Isotretinoin kann schwere Akne vollständig in Remission bringen.

Die beste Therapie für die meisten Betroffenen besteht jedoch aus einer Kombination: einer morgendlichen entzündungshemmenden Pflege wie Effaclar Duo oder Niacinamid und einer abendlichen Anwendung von Adapalen oder Adapalen+BPO.

Schluss

Akne ist kein oberflächliches Problem, sondern eine vielschichtige Störung im Inneren des Haarfollikels. Wer Akne wirklich behandeln will, muss sowohl die Keratinisierung regulieren, die Entzündung beruhigen, den oxidativen Stress reduzieren, die Barriere stärken als auch die Talgzusammensetzung stabilisieren. Genau deshalb sind Retinoide – und besonders Adapalen – die wirkungsvollsten Mittel: Sie greifen tief in den Mechanismus ein und stellen die natürliche Funktionsweise der Haut wieder her.

Mit dem richtigen Verständnis, der passenden Therapie und etwas Geduld ist Akne heute in den allermeisten Fällen vollständig behandelbar.


WORTSCHATZ – Haut, Akne, Dermatologie, Pflege, Biologie

1. der Haarfollikel

Die kleine Struktur in der Haut, aus der ein Haar wächst. Er enthält die Talgdrüse, den Porenausgang, Mikroorganismen und die Zellen, die die Wand des Follikels bilden. Dort beginnt Akne.

2. die Talgdrüse

Eine Drüse, die Sebum (Hauttalg) produziert. Sie sitzt am Haarfollikel und befeuchtet Haut und Haar.

3. das Sebum (der Talg)

Eine ölige Substanz, die die Haut schützt, geschmeidig hält, vor dem Austrocknen bewahrt und antibakteriell wirkt. Sebum ist wichtig für eine gesunde Hautbarriere.

4. die Säureschutzschicht

Ein dünner, leicht saurer Film auf der Hautoberfläche (pH 4,5–5,5). Er schützt die Haut vor Keimen, stabilisiert Enzyme und hält das Mikrobiom im Gleichgewicht.

5. das Mikrobiom

Die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die auf der Haut leben. Dazu gehören Bakterien, Hefen und Viren, die in einem gesunden Zustand nützlich sind.

6. Cutibacterium acnes

Ein Bakterium, das ganz natürlich in den Poren lebt. Es wird erst ein Problem, wenn die Pore verstopft und eine entzündliche Umgebung entsteht.

7. der Keratinozyt

Die wichtigste Zelle in der oberen Hautschicht. Keratinozyten entstehen unten, wandern nach oben, füllen sich mit Keratin und bilden schließlich den Hornschichtschutz.

8. die Keratinisierung

Der Prozess, bei dem Keratinozyten sich umwandeln, verhärten, nach oben wandern und abgestoßen werden. Dieser Prozess kann bei Akne gestört sein.

9. der Korneozyt

Die vollständig ausgereifte, verhornte Hautzelle, die keinen Zellkern mehr besitzt und den äußeren Hornschichtschutz bildet.

10. der Mikrokcomedon

Eine winzige, unsichtbare Verhornungsstörung im Porenausgang. Er ist der „Vorlauf“ eines zukünftigen Pickels und entsteht lange bevor man etwas sieht.

11. der Komedon

Eine verstopfte Pore. Es gibt offene (Mitesser) und geschlossene Komedonen. Sie entstehen durch Talgstau und Verhornungsstörungen.

12. die Hyperkeratinisierung

Eine Überverhornung: Keratinozyten haften zu stark aneinander und lösen sich nicht gleichmäßig ab. Das führt zu verstopften Poren und Akne.

13. der oxidativer Stress

Eine Belastung der Zellen durch freie Radikale. Oxidativer Stress führt zu Entzündungen, Hautalterung, vermehrtem Aknegeschehen und instabilem Sebum.

14. das freie Radikal

Ein sehr reaktives Molekül, dem ein Elektron fehlt. Es kann Zellen und Lipide schädigen, indem es ihnen Elektronen „stiehlt“.

15. der Antioxidans / die Antioxidantien

Stoffe, die freie Radikale neutralisieren, indem sie Elektronen abgeben. Sie schützen die Haut vor Schäden und beruhigen Entzündungen.

16. das Squalen / oxidiertes Squalen

Ein Lipid im Sebum. In oxidierter Form wird es komedogen, entzündungsfördernd und schädigt den Porenausgang.

17. die Entzündungsreaktion

Die Antwort des Immunsystems auf Reize wie Bakterien, oxidierten Talg oder Gewebeschäden. Sie äußert sich als Rötung, Schwellung und Schmerz.

18. der Cortisolspiegel

Die Menge des Stresshormons Cortisol im Blut. Chronisch erhöhter Cortisolspiegel verstärkt Entzündungen und Akne.

19. die Regeneration

Der Prozess, bei dem die Haut sich repariert, neue Zellen bildet, Schäden behebt und den Hautschutz wieder aufbaut. Er findet vor allem nachts statt.

20. die Hautbarriere

Die äußerste Schutzschicht der Haut, die aus Fetten und Hornzellen besteht. Sie schützt vor Austrocknung, Keimen und Reizungen.

21. der Wirkstoff

Ein aktiver chemischer Stoff in einem Produkt, der eine bestimmte biologische Wirkung hat (z. B. Adapalen, BPO, Niacinamid).

22. das Retinoid

Eine Substanz, die wie Vitamin A wirkt und tief in die Haut eingreift, indem sie die Genexpression reguliert. Retinoide normalisieren die Keratinisierung.

23. der Rezeptor (RAR-Rezeptor)

Ein Protein im Zellkern, an das Retinoide binden. Dadurch wird die Aktivität bestimmter Gene ein- oder ausgeschaltet.

24. die Genexpression

Der Prozess, bei dem Zellen bestimmte Gene aktivieren oder abschalten, wodurch Proteine hergestellt oder nicht mehr hergestellt werden.

25. Adapalen

Ein modernes, gut verträgliches Retinoid. Es reguliert die Keratinisierung, löst Mikrokome­dons, verhindert neue Komedonen und reduziert Entzündungen.

26. Benzoylperoxid (BPO)

Ein Wirkstoff, der C. acnes abtötet, Sauerstoff in die Pore bringt und Entzündungen lindert. Wirkt besonders gut bei entzündlicher Akne.

27. Effaclar Duo (+M)

Ein Pflegeprodukt, das Entzündungen, Rötungen und leichte Verhornungen reduziert. Es unterstützt die Haut, ersetzt aber keine retinoidbasierte Therapie.

28. Niacinamid

Vitamin B3 in stabiler Form. Es beruhigt Entzündungen, stärkt die Barriere, wirkt antioxidativ und reguliert die Talgproduktion.

29. die Remission

Der Zustand, in dem Akne langfristig verschwunden ist, ohne dass ständig neue Entzündungen auftreten.

30. die systemische Therapie

Eine Behandlung, die auf den gesamten Körper wirkt, z. B. Isotretinoin in Tablettenform.

31. die topische Therapie

Eine örtliche Behandlung, die nur auf die Haut aufgetragen wird, z. B. Cremes mit Adapalen oder BPO.

32. der Entzündungsmarker

Moleküle, die zeigen, wie aktiv eine Entzündung im Körper ist (z. B. IL-6, IL-8). Bei Akne spielen sie eine große Rolle.

33. die Sebumproduktion

Die Menge an Talg, die die Talgdrüsen bilden. Sie hängt von Hormonen, Stress, Schlaf und Genetik ab.

34. die Porenöffnung / das Follikelostium

Der sichtbare Ausgang des Haarfollikels an der Hautoberfläche. Wird diese Öffnung verengt oder blockiert, entsteht Akne.

35. die Abheilung

Der Prozess, bei dem eine Entzündung, ein Komedon oder ein Pickel zurückgeht und die Haut repariert wird.

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