Viele Menschen denken, Spontanität beim Sprechen bedeutet, schnell zu sprechen.
Aber spontan sprechen bedeutet nicht unbedingt, dass man besonders schnell reagiert.
Spontanität bedeutet, dass du in der Lage bist, deine Gedanken auf verschiedene Weisen auszudrücken – mit unterschiedlichen Satzkonstruktionen und mit verschiedenen Wörtern.
Auch wenn du dich einmal an ein bestimmtes Wort nicht erinnern kannst, solltest du in der Lage sein, es durch ein anderes Wort oder durch eine andere Satzstruktur zu ersetzen
und deinen Gedanken trotzdem klar und richtig zu formulieren.
Bevor du mit dem Sprechen beginnst, ist es hilfreich, deinen Wortschatz zu strukturieren und zu systematisieren. Wie das funktioniert, erfährst du in der separaten Lektion im Kurs.
Hier üben wir das kurz an einem Beispiel.
Stell dir vor, du liest einen Text. Das steht folgender Satz:
Aufgabe: Fenster aufmachen, um zu lüften.
Der erste Schritt besteht darin, deinen Wortschatz zu strukturieren und zu erweitern.
Dazu gehört, Synonyme, Antonyme und verwandte Ausdrücke zu finden.
Wenn du dich an ein Wort einmal nicht erinnern kannst, kannst du auf ähnliche Begriffe zurückgreifen. So bleibst du im Gespräch aktiv und sicher.
Nun trainieren wir, denselben Gedanken mit verschiedenen Satzmustern zu formulieren.
Das hilft dir, fließend und flexibel zu sprechen.
🔹 Variante 1 – Einfacher Satz mit Modalverb + Infinitivkonstruktion mit „um … zu + Infinitiv“
Man muss das Fenster aufmachen, um zu lüften.
Und jetzt mal mit den Synonymen:
Man muss das Fenster öffnen, um frische Luft rein zu lassen.
🔹 Variante 2 – Passivsatz + Nebensatz mit „damit“
Das Fenster sollte geöffnet werden, damit frische Luft ins Zimmer kommen kann.
Das Fenster muss geöffnet werden, damit das Zimmer gelüftet wird.
🔹 Variante 3 – Nebensatz mit „weil“ oder „da“
Man muss das Fenster aufmachen, weil man das Zimmer lüften muss.
Man sollte das Fenster öffnen, weil man frische Luft braucht.
Da es notwendig ist, das Zimmer zu lüften, öffnet man das Fenster.
🔹 Variante 4 – Zwei einfache Sätze mit logischer Verbindung
Ich will frische Luft ins Zimmer rein lassen, deswegen öffne ich das Fenster.
Ich möchte lüften. Aus diesem Grund mache ich das Fenster auf.
🔹 Variante 5 – Nominalstil
Das regelmäßige Lüften der Wohnung verbessert die Luftqualität.
🔹 Variante 6 – Aktivsatz mit Nebensatz mit „indem“
Ich lüfte das Zimmer, indem ich das Fenster aufmache.
Das sind natürlich nicht alle möglichen Formulierungen, aber du verstehst schon, dass du es im Voraus vorbereiten kannst, damit du im echten Gespräch spontan und flexibel bist.
Dazu brauchst du:
Diese Strukturen solltest du regelmäßig wiederholen – in:
🔸 Präsens und Perfekt
🔸 Aktiv und Passiv
🔸 einfachen Sätzen und Nebensätzen
🔸 Infinitivkonstruktionen
Wenn du verstehst, wie diese Strukturen funktionieren und sie regelmäßig übst, kannst du in jeder Situation flüssig und sicher sprechen – auch dann, wenn dir mal ein Wort fehlt.
Hier ist noch ein Beispiel zum Thema „Medizin“. So kannst du übrigens viel effektiver lernen, wenn du z.B. eine Ausbildung machst oder studierst, und sehr viel neue Begriffe und komplizierte Wortgruppen lernst.
Beispieltext:
Ziel: Thrombus auflösen, um den Blutfluss wiederherzustellen und das Risiko von Schäden im Gehirn zu verringern.
Diesen Satz kannst du in einzelne Wortgruppen zerlegen und wichtige Wörter markieren.
Zum Beispiel:
Nomen: Ziel, Thrombus, Blutfluss, Risiko, Schäden, Gehirn
Verben: auflösen, wiederherstellen, verringern
Dann suchst du für die Verben passende Synonyme oder Antonyme:
Wenn du also das Wort verringern im Gespräch vergisst, kannst du deinen Gedanken trotzdem ausdrücken, indem du ein anderes Verb oder eine andere Satzstruktur verwendest.
So kannst du dann diesen Gedanken umformulieren:
🔹 Variante 1 – Ein einfacher Satz mit Modalverb + Nebensatz mit „damit“
Wir sollten den Thrombus auflösen, damit das Blut wieder fließen kann.
(Satzgefüge mit Modalverb + Nebensatz mit „damit“)
🔹 Variante 2 – Passivsatz
Der Thrombus sollte aufgelöst werden, damit das Blut wieder fließen kann.
(Passiv mit Modalverb + Nebensatz mit „damit“)
🔹 Variante 3 – Infinitivkonstruktion mit „um … zu + Infinitiv“
Um das Risiko von Schäden im Gehirn zu verringern, sollen wir den Thrombus auflösen.
(Infinitivkonstruktion + einfacher Hauptsatz mit Modalverb)
🔹 Variante 4 – Zweck und Handlung in getrennten Sätzen
Wir sollen das Risiko von Schäden im Gehirn verringern. Deswegen sollen den Thrombus schnellstmöglich auflösen.
(Zwei Hauptsätze mit kausaler Verbindung)
🔹 Variante 5 – Nebensatz mit „weil“ oder „da“
Wir sollen den Thrombus auflösen, weil wir das Risiko minimieren müssen.
Da wir das Risiko minimieren müssen, sollen wir den Thrombus auflösen.
(Satzgefüge mit Nebensatz + Modalverb)
🔹 Variante 6 – Nominalstil
Das rechtzeitige Auflösen des Thrombus minimiert das Risiko von Schäden im Gehirn.
Das rechtzeitige Auflösen des Thrombus verringert das Entstehen von Risiken im Gehirn.
(Nominalstil mit Substantivierung des Verbs)
🔹 Variante 7 – Erweiterter Satz mit Infinitivkonstruktion
Um das Risiko von Schäden im Gehirn zu minimieren, sollen wir den Thrombus im Gefäß so schnell wie möglich auflösen.
(Infinitivkonstruktion + erweiterte Ergänzungen)